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© Hansueli Tschanz 2021
Renault Dauphine
1956 wurde meine erste Schwester geboren, worauf bis zum
Ende der Produktionszeit noch über 2.2 Mio. Geschwister
folgten! Wir waren die erfolgreichsten Autos Frankreichs! Extra
für uns wurde vor den Toren von Paris ein supermodernes
Autowerk gebaut, in dem noch Heute Autos produziert werden.
Aber auch in anderen Kontinenten und Ländern wurden wir
gebaut. Ich aber bin eine waschechte Französin.
Im März 1962 wurde ich an einen Lokomotivführer nach
Rapperswil in der Schweiz ausgeliefert. Er orderte mich in Rot
und mit Sicherheitsgurten (!), was damals noch sehr selten und
nur gegen Aufpreis möglich war. Bei der Auslieferung bestellte
er auch noch die verchromte Heckzierde mit integrierten
Rückfahrlampen. Ausserdem gab es an allen Türen verchromte
Griffmulden und an den Rädern sportliche Zierblenden. Das
Tüpfelchen auf dem i war aber die damals so modernen Talbot
Rückspiegel auf dem linken Kotflügel!
Die Liebe des Lokomotivführers dauerte leider nur drei Jahre.
1965 sah er den neuen R8 und schon wurde er mir untreu.
Da stand ich also auf dem Occasionsplatz der Renault
Vertretung bis eine Dame mit 2 kleinen Rotznasen mich sah und
sich sofort verliebte! (Obwohl sie eigentlich einen R8 wollte)
Das nennt man Ironie!
Für meine neue Besitzerin, Frau Betli Tschanz, war ich
Familientransporter und Geschäftsauto in einem. Sie trug
redlich Sorge zu mir und da ich immer zuverlässig meinen
Dienst tat, gab es keinen Anlass, an unserer Beziehung etwas zu
ändern. So gingen die Jahre dahin und im Jahre 1992, ich
erreichte gerade meinen Oldtimer-Status, wurde ich an ihren
Sohn weiter gegeben. Ihn kannte ich nur zu gut ,denn er machte
mit erst 12 Jahren auf mir seine ersten Fahrversuche! Zum
Glück blieben diese für alle Beteiligten ohne Folgen.